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Gemeinsames Verständnis von Bildung und Erziehung in der Ganztagsschule

Die Ganztagsschule soll die Antwort auf viele allgegenwärtige offene Bildungsfragen sein. Die Verständnisse davon, was denn nun eine Ganztagsschule sei, variieren je nach Standpunkt und Standort. Es wird von der Entwicklung einer Ganztagsschule allgemein eine Veränderung der Lern- und Lebenskultur erwartet, die den Lernraum Schule zu einem ganztägigen Lebensort für Kinder, Jugendliche und Erwachsene erweitert. Der Schulalltag muss gleichzeitig den veränderten Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen und Pädagog/innen gerecht werden, die einen ganzen Tag in der Schule verbringen. Dieser Erwartung werden all jene Formen der Ganztagsschule gerecht, die über die innere und äußere Abgeschlossenheit einer Halbtagsschule hinausdenken und handeln und außerunterrichtliche Angebote in einen gesamtschulischen Zusammenhang stellen. Sich zu verändern, neue Wege zu gehen, bedeutet für jede Schule einen Aufbruch und schafft auch Unsicherheiten.

Das Verbundprojekt „Lernen für den GanzTag" initiierte für diesen dringenden Bedarf die Anregung von Schulentwicklungsprozessen, indem es Schlüsselthemen der Ganztagsschule aufgriff, fachwissenschaftliche Expertisen beauftragte, um daraus Fortbildungsbausteine zu entwickeln. Diese sind in Modulen zusammengefasst und führen schul- und sozialpädagogisches Denken und Handeln zusammen, um über ein ausgebildetes MultiplikatorInnentandem erweiterte Sichtweisen in die Ganztagschulentwicklung einzubringen.

Das Modul: "Das gemeinsame Verständnis von Bildung, Erziehung und Betreuung" ist als Grundlagenmodul in der Fortbildung zur guten Ganztagsschule zu verstehen und in drei Bausteine gegliedert. Die AutorInnen folgen im inhaltlichen Aufbau dieses Moduls dem Dreischritt: `Kinder, Pädagogen und Prozesse`. Mit diesem Einstieg wird aus der Kritik an traditioneller institutionalisierter Verschulung und defizitärem Bild vom Kind ein Weg entwickelt, der einer Neudefinition eines erweiterten Bildungsbegriffes in der Ganztagsschule verpflichtet ist. Dieser stellt die Selbsttätigkeit und Selbstbestimmung junger Menschen in den Mittelpunkt und versteht Bildung als eigenaktive Aneignung, in der Heranwachsenden Angebote zugetraut und zugemutet werden, auf die sie im pädagogisch gelenkten oder pädagogisch bereit gestellten Rahmen ihre Selbstbildungsprozesse beziehen können. In diesem Modul werden als Basis von Bildungsarbeit die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen, die Haltungen von PädagogInnen zum Kind und Jugendlichen und die damit verbundenen Bilder reflektiert sowie die Erwartungen an eigene und fremde Berufsrollen und Standpunkte überprüft, um daraus ein gemeinsames Verständnis gelingender Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsprozesse zu entwickeln. Ganztagsschule in diesem Sinne zu verwirklichen, stellt die Individualität  der Kinder und Jugendlichen in der Ganztagsschule in den Mittelpunkt ihrer Schulentwicklung und konzipiert aus dieser Sicht ganztägige Lern- und Lebensprozesse .

Baustein 1: Ganztagsschule im Interesse der Kinder. Die Sicht des Kindes als Grundlage für die Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses von Bildung und Erziehung in der Ganztagsschule

Ganztagsschulen sollen nicht nur aus der Perspektive der Erwachsenen gute Schulen sein. Eine Schule als Lern- und Lebenswelt zu konzipieren, rückt die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen in den Mittelpunkt.

In einer Ganztagsschule zu arbeiten, bedeutet für die Erwachsenen, mit Kindern und Jugendlichen zu leben, ihnen bei den Höhen und Tiefen des Tages nahe zu sein. Das setzt zum einen voraus, die entwicklungsspezifischen Bedürfnisse der Kinder zu kennen und die veränderten Lebenswelten von Kindheit in Deutschland mitzudenken. Zum anderen  bedeutet es aber auch, über die realen Kinder und ihre konkreten Lebensbedingungen in der eigenen Schule zu reflektieren. Wie viel Bewegung und Ruhe, Grenzen und Freiräume, Anregung und Anlehnung die Heranwachsenden mit ihren eigenen, individuell verschiedenen Bedürfnissen und Kompetenzen brauchen, ist nicht immer planbar, sondern erst im Zusammenleben für die Pädagog/innen erlebbar und gemeinsam mit den Kindern zu gestalten. Die Lehrkräfte, pädagogischen MitarbeiterInnen und ihre Kooperationspartner/innen sind täglich Zeuge und Mitgestalter/innen dessen, wie sich Kinder und Kindheit verändern und können nur auf dieser Grundlage gemeinsam Bildungs- und Erziehungsprozesse entwerfen. Im Baustein 1 stehen die Bedürfnisse und Interessen der Heranwachsenden im Mittelpunkt, um über einen Perspektivwechsel der pädagogisch handelnden Erwachsenen die eigene Ganztagsschule aus Sicht der Kinder und Jugendlichen kritisch zu betrachten. Dabei können sich individuell und professionell verschiedene Sensibilitäten der Erwachsenen für die Bedürfnisse der Heranwachsenden in den einzelnen pädagogischen Handlungsfeldern offenbaren. Über einen kompetent moderierten Austausch und eine Vertiefung wird ein gemeinsames Verständnis von Bildung und Erziehung der pädagogisch Handelnden entwickelt.

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BLK-Logo - Lernen für den GanzTag